Unter den Platanen

Lothar Rumold: „Licht und Schatten 3“, 2017, Tablet-Zeichnung
Lothar Rumold: „Licht und Schatten 4“, 2017, Tablet-Zeichnung

Schwindelerregend

Gestern habe ich in beinahe schon anstößiger Weise das Bestehen von Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten im zoologischen und im sozialen Raum angedeutet. Darf man das überhaupt: Animalisches und Humanisches in einem Atemzug nennen, in einem Gedankengang zusammen denken? Ich finde, man darf es nicht nur, man muss es sogar. Denn nicht nur gilt, dass der Mensch eine spezielle Art von Tier ist, sondern man kann durchaus so weit gehen zu sagen: Tiere sind auch nur Menschen, indem sie teilweise zum Verwechseln einem unserer Ururur … ururur … Großväter oder einer unserer Ururur … ururur … Großmütter ähnlich sehen. Auch ich kann es mir nur schwer vorstellen, aber wenn die Evolutionstheorie recht hat (und wer wollte heute noch daran zweifeln), dann sind wir über eine ununterbrochene Kette von Einzellebewesen als unseren direkten Vorfahren beispielsweise mit irgendwelchen fischartigen Kreaturen verwandt. Zieht man dann noch in Betracht, dass unsere genealogische Linie (die jedes einzelnen von uns heute lebenden Menschen) sich nicht nur im Anorganischen, sondern auch in den Tiefen von Raum und Zeit verliert, kann einem schwindelig werden. Da ist es doch geradezu erholsam, dass im Stadtgarten viele Arten kategorial und räumlich voneinander getrennt vorkommen beziehungsweise den Besuchern präsentiert werden.

Über das Exotische im Stadtgarten zwei Tage nach der Wahl

An Debatten über Politik, also darüber, ob etwas Bestimmtes (oder wann etwas im Allgemeinen) politisch korrekt, opportun, richtig, falsch oder sonst etwas sei oder nicht sei, versuche ich im Rahmen der Ausübung meines Berufs möglichst nicht teilzunehmen. Bei meiner Arbeit spielt weder die eine wahre noch irgendeine andere politische Positionierung irgendeine Rolle. Ich halte es in dieser Hinsicht mit dem Maler Neo Rauch, der gesagt hat: „Ich mag die politischen Aktivisten auf dem Felde der Kunst nicht. Sie ist mir hochgradig zuwider, die Attitüde des Kommissars“. Zwar sei er ein politischer Mensch, nicht aber ein politischer Maler: „Ich reflektiere sehr wohl, was geschieht, aber ich bin der Meinung, dass ich meine Leinwände weitestgehend freihalten muss von Anspielungen auf Vorgänge im politischen Raum. Das wären nur lächerliche Versuche, die Malerei der Propaganda oder Agitation aufzuschließen.“ (Ich verdanke den Hinweis auf diese Äußerung meinem Künstler-Kollegen Michael Schneider.)

Doch ist das Im-Stadtgarten-Umhergehen noch keine künstlerische Tätigkeit (es sei denn, man erklärt es dazu, was ich aber nicht vorhabe), so dass ich mir einige ins Politische driftende Gedanken wie die folgenden beim heutigen Gang durch den Stadtgarten, respektive Zoo, zwei Tage nach der Bundestagswahl nicht verbieten wollte:

An Buntheit und Artenvielfalt lässt der Stadtgarten wenig zu wünschen übrig. Gleichzeitig sind die inneren und äußeren Grenzen klar definiert und werden entweder durch Zäune und Mauern oder durch Personen gesichert beziehungsweise überwacht. Was die Herkunft der ständigen (vor allem der tierischen) Stadtgartenbewohner angeht, so dominiert hier bereits das Allochthone, ohne dass es deswegen zu gravierenden Problemen kommen würde. Die Attraktivität des zoologischen Stadtgartens beruht ja auch gerade auf der Exotik seiner Bewohner – und das nicht erst seit der Eröffnung des sogenannten Exotenhauses (ausgerechnet) im Sommer 2015. Was die Kosten der Exotik angeht: Im Stadtgarten halten sich diese innerhalb kalkulierbarer Grenzen und sind bisher immer im Rahmen des Noch-Finanzierbaren geblieben, wovon (im Stadtgarten) auch in Zukunft auszugehen ist.

Nun gut, aber eine Nation ist kein Zoo (und schon gar kein Streichelzoo) und der Punkt ist schnell erreicht, von wo an jedes weitere und ins Detail gehende Vergleiche-Ziehen beinahe zwangsläufig zu umstrittenen Äußerungen führen würde. Also Mund halten und (unpolitisch) weitermalen.

Im Bunde die Dritte


Ich habe hier kürzlich zugegeben, Ähnlichkeiten zwischen alten Menschen und alten Elefanten feststellen zu können. Beide Arten ähneln im Alter aber einer dritten, nämlich derjenigen, der die Platanen zuzurechnen sind, welche Art auch immer das sein mag. Das heißt, wir hätten es (unter Missachtung nicht nur der Arten-, sondern auch der Flora-Fauna-Grenze) mindestens mit einer Dreiecks-Ähnlichkeits-Beziehung zwischen Mensch, Elefant und Platane zu tun.

Aus dem Atelier

Mein Stadtgarten-Tagebuch könne ich auch per E-Mail führen, heißt es. Mal sehen, ob’s stimmt? Stimmt!

Das Atelier – bis zum Stadtgarten sind es von hier aus zehn Minuten zu Fuß.

E-Mails sozusagen live aus dem Stadtgarten senden wäre natürlich das Optimum. Aber das war ja nur ein Test-Beitrag.

Eröffnung der Galerie „Im Japan-Garten“

Schon vor drei Monaten habe ich im japanischen Teil des Stadtgartens Tablet-Zeichnungen angefertigt, die von heute an in der Galerie „Im Japan-Garten“ zu sehen sind. Wer die Galerie besuchen möchte, begebe sich zur oberen Menü-Leiste. Dort findet man unter „Zeichnungen“ die Seite mit den Tablet-Zeichnungen. Hier eine meiner ersten Bambus-Studien:

„Bambus am 23.6.2017“, Tablet-Zeichnung