Über das Exotische im Stadtgarten zwei Tage nach der Wahl

An Debatten über Politik, also darüber, ob etwas Bestimmtes (oder wann etwas im Allgemeinen) politisch korrekt, opportun, richtig, falsch oder sonst etwas sei oder nicht sei, versuche ich im Rahmen der Ausübung meines Berufs möglichst nicht teilzunehmen. Bei meiner Arbeit spielt weder die eine wahre noch irgendeine andere politische Positionierung irgendeine Rolle. Ich halte es in dieser Hinsicht mit dem Maler Neo Rauch, der gesagt hat: „Ich mag die politischen Aktivisten auf dem Felde der Kunst nicht. Sie ist mir hochgradig zuwider, die Attitüde des Kommissars“. Zwar sei er ein politischer Mensch, nicht aber ein politischer Maler: „Ich reflektiere sehr wohl, was geschieht, aber ich bin der Meinung, dass ich meine Leinwände weitestgehend freihalten muss von Anspielungen auf Vorgänge im politischen Raum. Das wären nur lächerliche Versuche, die Malerei der Propaganda oder Agitation aufzuschließen.“ (Ich verdanke den Hinweis auf diese Äußerung meinem Künstler-Kollegen Michael Schneider.)

Doch ist das Im-Stadtgarten-Umhergehen noch keine künstlerische Tätigkeit (es sei denn, man erklärt es dazu, was ich aber nicht vorhabe), so dass ich mir einige ins Politische driftende Gedanken wie die folgenden beim heutigen Gang durch den Stadtgarten, respektive Zoo, zwei Tage nach der Bundestagswahl nicht verbieten wollte:

An Buntheit und Artenvielfalt lässt der Stadtgarten wenig zu wünschen übrig. Gleichzeitig sind die inneren und äußeren Grenzen klar definiert und werden entweder durch Zäune und Mauern oder durch Personen gesichert beziehungsweise überwacht. Was die Herkunft der ständigen (vor allem der tierischen) Stadtgartenbewohner angeht, so dominiert hier bereits das Allochthone, ohne dass es deswegen zu gravierenden Problemen kommen würde. Die Attraktivität des zoologischen Stadtgartens beruht ja auch gerade auf der Exotik seiner Bewohner – und das nicht erst seit der Eröffnung des sogenannten Exotenhauses (ausgerechnet) im Sommer 2015. Was die Kosten der Exotik angeht: Im Stadtgarten halten sich diese innerhalb kalkulierbarer Grenzen und sind bisher immer im Rahmen des Noch-Finanzierbaren geblieben, wovon (im Stadtgarten) auch in Zukunft auszugehen ist.

Nun gut, aber eine Nation ist kein Zoo (und schon gar kein Streichelzoo) und der Punkt ist schnell erreicht, von wo an jedes weitere und ins Detail gehende Vergleiche-Ziehen beinahe zwangsläufig zu umstrittenen Äußerungen führen würde. Also Mund halten und (unpolitisch) weitermalen.