Vom Tiger blieb nur ein Schädel – von Österreich-Ungarn auch nicht viel mehr

„Altes Holz“, Tablet-Zeichnung (14.9.2017) – © Lothar Rumold

 

„Tiger-Schädel“, Tablet-Zeichnung (14.9.2017) – © Lothar Rumold

Es gab hier einmal einen Tiger. Oder gar zwei oder drei. Wann sie aus dem Raubtierhaus verschwanden, ist mir nicht bekannt, ihr Fehlen war mir bisher nicht aufgefallen. Erst als ich heute diesen Tiger-Schädel in einer Glasvitrine gegenüber vom China-Leoparden sah und zeichnete, dachte ich: Und wo sind die aus Fleisch und Blut? Nicht dass ich sie wirklich vermisst hätte – Tiger sollten dort sein, wo Tiger von Natur aus sind. Von Kultur aus gab es den ersten in Karlsruhe 1923, ein Präsent der Stadt Wien, die ihn ihrerseits 1911 von einem Maharadscha geschenkt bekommen hatte. Zwölf Jahre später konnten oder wollten die Wiener anscheinend nichts mehr mit ihm anfangen. Zu gefährlich? Zu langweilig? Zu unhandlich? Zu teuer? Warum verschenkt man einen Tiger? Und warum nimmt man so ein Geschenk an? Hätte man nicht „nein danke“ sagen können? Fünf Jahre nach dem schmachvollen Ergebnis des Ersten Weltkriegs wäre das für die Österreicher vielleicht schwer zu verkraften gewesen. Diese Deutschen, hätten sie möglicherweise gesagt, erst gewinnen sie den von uns angezettelten Krieg nicht – und dann weisen sie auch noch unsere Geschenke zurück.